Wann ist man alt? Mit sechzig? Mit achtzig? Ist man so alt wie man sicht fühlt? Kaum eine Frage, die so einfach scheint, wird so unterschiedlich beantwortet. Kommt es doch immer auf den Standpunkt an: Wer versucht mit sechzig noch einen Kredit aufzunehmen, sieht plötzlich ganz schön alt aus. Wirtschaftskrise oder nicht – ein Kredit in diesem Alter erscheint vielen Banken als unkalkulierbares Risiko. Ganz anders sieht es hingegen aus, wenn das Renteneintrittsalter debattiert wird. Dann gehört man auch mit fast siebzig noch nicht zum alten Eisen.
Alt ist eben nicht gleich alt. Auch objektiv betrachtet. Dank des medizinischen Fortschritts und unserer gesunder Lebensweise werden wir immer älter und bleiben immer länger fit. Die Lebenszeit, die uns nach dem Renteneintritt bleibt, wird immer länger. Sie verläuft aber auch immer unterschiedlicher.
Viel mehr als die Zahl der gelebten Jahre, entscheidet die eigene Lebensweise, der eingeschlagene Berufswege, die gesundheitliche Situation, Bildungschancen und kulturelle Verhaltensweisen darüber, ob ich mich alt fühle, oder nicht. Das stellt uns vor die enorme Herausforderung, Altenpolitik ganz neu zu denken, Altersbilder neu zu zeichnen. Auch die klassischen Altersgrenzen haben weitgehend ausgedient. Es gibt heute noch viel weniger als früher eine magische Schwelle, eine magische Zahl, mit deren Hilfe festgelegt werden kann, was einen Menschen ausmacht.
Ein gutes Beispiel sind die Schöffen. Hier gilt eine Altersgrenze von achtundsechzig, für die es keine Begründung gibt. Hätte sich Adenauer nach seiner Amtszeit um dieses Amt bewerben wollen, er hätte ganz schön alt ausgesehen. Umso unverständlicher, dass ausgerechnet die große Koalition an ihr festhalten will.
Nein, wollen wir die Alterung unserer Gesellschaft gestalten, müssen wir ganz schnell umdenken und Potentiale wecken – nicht zurückhalten. Heute sind bereits 19 Prozent der Menschen in Deutschland über 65. Bereits in dreißig Jahren wird jede/r dritte über 65 Jahre alt sein und nur etwa jede/r siebte unter 20 Jahre alt sein.
Es ist an der Zeit, dass auch Ältere die Chance erhalten gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, damit alle gemeinsam die Auswirkungen des demografischen Wandel bewältigen. Denn ich möchte, dass gleichberechtigte Lebenschancen bestehen – für jung und alt. Das bedeutet aber auch, die negativen Auswirkungen des demografischen Wandels solidarisch auf die Generationen zu verteilen und die Risiken des Alters abzusichern.









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