Archiv für Juli 2009

Alter 2009: Zwischen silver ager und Methusalem

Wann ist man alt? Mit sechzig? Mit achtzig? Ist man so alt wie man sicht fühlt?  Kaum eine Frage, die so einfach scheint, wird so unterschiedlich beantwortet. Kommt es doch immer auf den Standpunkt an: Wer versucht mit sechzig noch einen Kredit aufzunehmen, sieht plötzlich ganz schön alt aus. Wirtschaftskrise oder nicht – ein Kredit in diesem Alter erscheint vielen Banken als unkalkulierbares Risiko. Ganz anders sieht es hingegen aus, wenn das Renteneintrittsalter debattiert wird. Dann gehört man auch mit fast siebzig noch nicht zum alten Eisen.

Alt ist eben nicht gleich alt. Auch objektiv betrachtet. Dank des medizinischen Fortschritts und unserer gesunder Lebensweise werden wir immer älter und bleiben immer länger fit. Die Lebenszeit, die uns nach dem Renteneintritt bleibt, wird immer länger. Sie verläuft aber auch immer unterschiedlicher.

Viel mehr als die Zahl der gelebten Jahre, entscheidet die eigene Lebensweise, der eingeschlagene Berufswege, die gesundheitliche Situation, Bildungschancen und kulturelle Verhaltensweisen darüber, ob ich mich alt fühle, oder nicht. Das stellt uns vor die enorme Herausforderung, Altenpolitik ganz neu zu denken, Altersbilder neu zu zeichnen. Auch die klassischen Altersgrenzen haben weitgehend ausgedient. Es gibt heute noch viel weniger als früher eine magische Schwelle, eine magische Zahl, mit deren Hilfe festgelegt werden kann, was einen Menschen ausmacht.

 Ein gutes Beispiel sind die Schöffen. Hier gilt eine Altersgrenze von achtundsechzig, für die es keine Begründung gibt. Hätte sich Adenauer nach seiner Amtszeit um dieses Amt bewerben wollen, er hätte ganz schön alt ausgesehen. Umso unverständlicher, dass ausgerechnet die große Koalition an ihr festhalten will.

Nein, wollen wir die Alterung unserer Gesellschaft gestalten, müssen wir ganz schnell umdenken und Potentiale wecken – nicht zurückhalten. Heute sind bereits 19 Prozent der Menschen in Deutschland über 65. Bereits in dreißig Jahren wird jede/r dritte über 65 Jahre alt sein und nur etwa jede/r siebte unter 20 Jahre alt sein.

Es ist an der Zeit, dass auch Ältere die Chance erhalten gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, damit alle gemeinsam die Auswirkungen des  demografischen Wandel bewältigen. Denn ich möchte, dass gleichberechtigte Lebenschancen bestehen – für jung und alt. Das bedeutet aber auch, die negativen Auswirkungen des demografischen Wandels solidarisch auf die Generationen zu verteilen und die Risiken des Alters abzusichern.

Wahlkampf: Auftakt in Buch und Karow

In den beiden nördlichsten Stadtteilen, Buch und Karow habe ich die entscheidende Phase des Straßenwahlkampfs eröffnet. Flyer verteilen, von Haus zu Haus ziehen und Gespräche führen. So stand heute ein Besuch bei den „Frauen in/ um Buch“, ein Planungsgespräch auf dem Campus Buch und natürlich Gespräche am Zaun und auf der Straße auf dem Programm.

Die „Frauen in/um Buch“ ist eine seit Anfang der 90er Jahren bestehende Beratungseinrichtung vor allem für Frauen in der Karower Straße 6 in Buch. Im Zentrum steht die Beratung von Frauen in schwierigen Situationen. Aber das Programm ist natürlich viel breiter. So gibt es einen Chor für Seniorinnen und Senioren, der zum Teil auch fast seelsorgerische Aufgaben beinhaltet, der aber trotzdem oder vielleicht gerade deshalb zu den Lieblingsprojekte zählt. Leider ist auch diese Beratungsstelle auf der Liste der bedrohten Einrichtungen im Bezirk. Ich bedauere es sehr, dass die rot/rote Zählgemeinschaft im Bezirk sich weigert für diese Einrichtungen eine Finanzierung sicher zu stellen. Die Haushaltsberatungen im September werden hart werden.

 Nach einem Gespräch im Max-Delbrück Institute auf dem Campus Buch bin ich dann von Haus zu Haus. Besonders nett war das kurze Gespräch in einer kleinen Agentur, die ganz erstaunt waren, dass ein Bundestagskandidat durch ihren Kiez kommt.

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Mindestlohn ist sinnvoll!

Die aktuelle Diskussion um die Einführung eines Mindestlohnes erinnert sehr stark an die Debatte um das Einwanderungsland Deutschland. Wir haben Jahrzehnte gebraucht bis alle die Wirklichkeit akzeptieren mussten. Jahrzehnte wird es hoffentlich nicht noch einmal dauern. Ich hoffe, es klappt in diesem Fall schneller mit der rationalen Debatte und wir kommen endlich in die Diskussion, wie wollen wir einen sinnvollen Mindestlohn einführen.

Ich möchte einen Mindestlohn, der möglichst frei von politischen Wahlkämpfen etc. ist. Wir brauchen ein sinnvolles Instrument zur Anpassung. 7,50 Euro erscheint auch mir in dieser Zeit eine sinnvolle Höhe. Der Mindestlohn ist aus sich selbst heraus nicht unbedingt erstrebenswert. So schränkt er die Tarifautonomie stark ein. Aber die Situation auf dem Arbeitsmarkt und Entlohnung (selbst von Angestellten im Öffentlichen Dienst etwa in Berlin) lässt keine Alternative zu einem Mindestlohn zu. Allerdings dürfen wir auch nicht die Augen vor den möglichen Veränderungen in der Wirtschaft verschließen. Es wird zu Verdrängungen und Verschiebungen etwa im Bereich der Schlachthöfe kommen. Deshalb muss die Einführung des Mindestlohn auch von entsprechenden Begleitmaßnahmen und sinnvollen Umschulungen der Jobcenter begleitet werden. Hier ist aus meiner Sicht noch Diskussionsbedarf. Hoffentlich können wir bald mit dieser sinnvolleren Diskussion beginnen.  

Armut verhindern und Kinder direkt fördern – Kindergrundsicherung einführen

Wer weiß es nicht, wir sind der Kinderreichste Bezirk Berlins – vielleicht ganz Deutschlands. Und denoch, Berlin hat Potential und vergibt doch so viele Chancen. Armut prägt immer stärker das Gesicht der Hauptstadt. Gerade hier wird offensichtlich wie sich eine unsolide Sozialpolitik auf Bundesebene, aber auch auf Landesebene, in den Familien niederschlägt. Bereits 180.000 junge Menschen leben in Hartz-Familien; rund 700.000 Berlinerinnen und Berliner erhalten staatliche Sozialleistungen. Für Kinder, die kein Mittagessen haben und nicht beim Kindergeburtstag dabei sein können, weil das Geld für das Geschenk fehlt ist Wowereits „Arm aber sexy!`“ ein Hohn!.

Wir brauchen sofort kindgerechte Regelsätze, denn Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Dazu müssen die Berechnungsgrundlagen der Hart IV-Regelsätze für Kinder endlich auf kindgerechte Bedürfnisse umgestellt werden. Die derzeitigen Regelsätze erhalten keine Elemente, die beispielsweise auf das Größenwachstum und die schulische Bildung ausgerichtet sind. Ein spezifischer Kinderwarenkorb (Schuhe, Spielsachen, Schulartikel etc.) muss den kindlichen Bedarfen Rechnung tragen. Wer lediglich zwei Euro pro Tag für Essen ausgeben kann, der muss sich jedes Buch, jeden Kinobesuch vom Munde absparen. Diese Ausgrenzung aus dem kulturellen Leben ist unserer Gesellschaft unwürdig.

Perspektivisch jedoch brauchen wir eine grundsätzliche Neuorientierung der Familienförderung. Sie muss gleichzeitig Kinder gerecht fördern, aber auch Armut im Vorfeld der Hartz IV- Bedürftigkeit verhindern. Kinderarmut in Deutschland ist vor allem Familienarmut. An dieser Stelle braucht man kein Herumdoktern am System, sondern Mut, Familienleistungen neu zu denken. Wenn wir Gerechtigkeit ernst meinen, müssen wir das System vom Kopf auf die Füße stellen. Wir brauchen eine einfache und transparente Lösung, die das Kind in den Mittelpunkt stellt.

Die sogenannte Einkommensorientierten Kindergrundsicherung (EKiG) wäre eine solche Lösung. Sie beträgt 330 Euro im Monat pro Kind und wird entsprechend der Leistungsfähigkeit der Eltern besteuert. Mit diesem Instrument würde Armut wirksam bekämpft und vor allem Geringverdiener würden profitieren. Aber auch in den Haushalten, die derzeit von ALG II leben, würde die Kindergrundsicherung ankommen. Die Kindergrundsicherung würde die Regelsätze für Kinder ersetzen. Auch Familien mit mittlerem Einkommen würden mehr bekommen als heute. Jedes Kind ist zwar gleich viel Wert, aber nicht jedes braucht die gleiche Förderung. Es geht darum, Kinder wirklich in den Mittelpunkt zu stellen und das auch in der finanziellen Förderung. Daher würden Familien mit hohen Einkommen weniger bekommen als heute. Voraussetzung dafür wäre die Zusammenfassung von bestehenden Familienleistungen und die Reduktion der Eheförderung.

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Pankow: Grundschule im Blumenviertel

Eine staatliche Montessori Grundschule. So etwas gibt es? Ja und zwar eine sehr erfolgreiche. Am Rande des Volksparks Prenzlauer Berg in einer Plattenbau-Schule. Das besondere hier berichten Schulleitung und Elternvertretung übereinstimmend, ist die starke Elternbeteiligung. Mütter und Väter helfen mit, wo sie nur können. Dafür können sie auch mitreden – von der Gestaltung des Schulhofes bis zur Pädagogik. Hier werden die Interessen der Mütter und Väter ernst genommen. Der Erfolg, jedes Jahr geht es ein Stück voran. Die Gestaltung des Schulhofes ist vorbildlich und die Schulbehörde wird durch die Eltern auch zu unkonventionellen Aktionen gedrängt. Entweder der Durchbruch zwischen zwei Räumen zum jahrgangsübergreifendem Lernen wird bewerkstelligt oder die Eltern rücken selber mit Hammer und Meißel an. So etwas motiviert offensichtlich. Die Auszubildenden des OSZ in der Neumann Straße durften plötzlich einen Teil ihrer Ausbildung in der Grundschule praktisch erlernen. Dieses Beispiel sollte Schule machen. Allen Konjunkturprogrammen zum trotz.

www.grundschule-im-blumenviertel.de

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Oberschulenzentrum als Vorbild

Den Preis „Gutes Handwerk“ zu bekommen ist sicher eine große Auszeichnung für einen Tischler am Ende seiner Ausbildung. Nicht minder wertvoll ist der Preis, der durch eine kleine Kommission von Auszubildender gekürt wurde. Wer sich die Gesellenstücke der Tischlerinnen und Tischler anschaut sieht sofort, wie viel Arbeit in jedem einzelnen Stück steckt. Jede und jeder weiß genau, wo er oder sie steht. Mir persönlich hat eine kompakte Fahrrad Reparaturwerkstadt am besten gefallen. Hier hat jemand ein praktisches Problem elegant gelöst.

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Die Marcel-Breuer Schule in Weißensee schaut auf ein gutes Jahr zurück. Die Ausbildung hier reicht von Holztechnik über Glaserei bis zu Design. Der Neubau hat sich gelohnt. Wer durch die Gänge geht spürt, dass das Zentrum lebt. Die Auszubildenden gehen gerne hierhin. Das hat natürlich auch mit motivierten Lehrkräften in den Werkstätten und im Unterricht zu tun. Wer mit Herrn Sonntag durch das Zentrum geht merkt, wie beliebt der Schulleiter ist. Und das angenehmste ist, er steht für seine Jugendlichen ein. Er steigt nicht in das Jammern über die Jugendlichen von heute ein – im Gegenteil. Er will sich weiter im Bezirk vernetzen.

Prenzlauer Berg: die neuen Papa’s

„Wir sind ganz bewusst hierhin gekommen“ sagt Herr Schäfer vom Papa Cafe in der Marienburger. Elfi Janzen und ich wollten es sehen. Was unterscheidet den Prenzlauer Berg und die Väter hier, von andern Kiezen? Das Ergebnis ist simpel – eigentlich nichts. Hier sind es vielleicht einfach mehr. Und wahrscheinlich ist das der Grund für den großen Erfolg. Herr Schäfer und Herr Schulz vom Väter Zentrum merkt man an, dass sie Pioniere sind.

Sie haben viele Themen; sie machen viel: von Beratung über das „Papa Cafe“ bis hin zur Stadtteilarbeit! Interessant finde ich, dass 50 % der Väter doch über die Mütter ins Cafe kommen. Überhaupt gibt es für uns Männer noch einiges zu erlernen. Es fällt uns leichter eine Strategieplanung durchzuführen als uns eine klassische Beratung zu können. Offensichtlich ist es leichter zu kommen, wenn „für Mütter und Väter“ auf einer Einladung steht und nicht nur „für Eltern“. Aber, beim zuhören wird deutlich, in den letzten Jahren ist viel geschehen. Ich glaube, es ist bei uns im Bezirk leichter Vater oder auch einfach nur Mann zu sein. Es geht nicht um eine männliche Mutter, sondern darum, ein männliches Vorbild zu sein.

Nach fast zwei Stunden Austausch über die Sorgen und Freuden der neuen Väter, drängt Herr Schäfer zum Aufbruch. Er muss in die JVA zu seiner Gruppe Väter im Strafvollzug. Natürlich auch hier tut sich etwas.

die darf einfach nicht fehlen

die darf einfach nicht fehlen

20. Jahre friedliche Revolution jetzt in den Schönhauser Allee Arkaden

P7090604Eckehard Maaß, der Begründer des in der Revolutionszeit legendären Treffs in der Schönholzer Straße, eröffnet die Ausstellungseröffnung mit ein paar russischen Liedern, deren Texte einen sofort ins hier und jetzt hohlen. Welch ein Gegensatz zum Ort! Die Eröffnung findet im Untergeschoss der Schönhauser Allee Arkaden statt. Auf dem ersten Blick ein komischer Ort für eine Ausstellung des Ökumenischen Arbeitskreises Prenzlauer Berg. Ein merkwürdiger Ort für eine Ausstellung zum Thema Gewalt und 20 Jahre friedliche Revolution. Oder vielleicht auch gerade nicht. Als ich da stand und die Reden hörte – gute Reden – viel mir auf, dass ein Gedanken fehlte. Viele Neu-Pankowerinnen und Pankower möchten gerne mehr wissen über „damals“. Aber der Weg in eine Ausstellung ist oft sehr weit. Deshalb gefällt mir der Gedanken sehr gut, dass jetzt in den nächsten Wochen ausgerechnet in einem Kaufhaus Geschichte zum anfassen hängt. Ich wünsche der Ausstellung auf jedem Fall viel Erfolg. Mir gefällt sie sehr gut!

Fußball: So viel Zeit muss auch im Wahlkampf bleiben

2000 Unioner haben in den letzten Monaten geholfen die Alte Försterei in Köpenick wieder fit zu machen. Nach einigen Problemen ist es wirklich gelungen. Selbst das neue Dach ist endlich drauf! Besonders schön finde ich, dass die alte Stadionanzeige (die Handanzeige) erhalten geblieben ist. Dieser Verein ist schon etwas besonderes. Der Kampf des Vereins für ihr altes Stadion ist wirklich großartig. Die 13 Monate im Jahnstadion waren auch für den Prenzlauer Berg eine schöne und für den Verein eine erfolgreiche Zeit. Ich freue mich aber, dass der Sessionsstart in der 2. Liga in der Alten Försterei stattfinden kann. 

 Beim Eröffnungsspiel gegen Hertha haben zwar die Charlottenburger 5:3 gewonnen, aber das Spiel war wirklich sehenswert. Die Eisernen haben bis zur letzten Minute gekämpft (das dritte Tor fiel in der Schlussminute). Ein 3:3 wäre möglich gewesen!

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Pankow: Wissen der Älteren nutzen

Im Pflegeheim „Alma Via“ in der Jenny Lind Straße hatte der Seniorenbeirat Pankow mich zum Gespräch geladen. Der Einladung bin ich sehr gerne gefolgt. Nach einer persönlichen Vorstellung sind wir schnell in eine lebhafte Diskussion gekommen. Bemerkenswert fand ich die Themenauswahl der Nachfragen und Anmerkungen. Nicht die Rente oder Pflegepolitik brannte dem Seniorenbeirat unter den Nägeln. Vielmehr ging es um die in zentralen Bereichen verfehlte Bezirkspolitik. Besonders drängen natürlich die ganz konkreten Fragen, etwa die Entwicklung des Mauerparks oder die Sicherheit der Fahrradwege.

Deutlich wurde aber auch der Unmut über die Art des Umgangs des Bezirksamtes mit den Senioren und ihren Anliegen. Rot/rot kommuniziert – wenn überhaupt – zu spät. Bürgerinnen und Bürger gleich welchen Alters wollen in den Fragen ihrer unmittelbaren Umgebung als Expertinnen und Experten ernstgenommen werden. Dieses geschieht in der Regel nicht. Natürlich hat mich gefreut, das unser Stadtrat Nilson Kirchner offensichtlich nach Ansicht des Seniorenbeirates eine Ausnahme macht und zeigt wie es anders gehen kann.

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